Hermann Conring


Polyhistoren wie Hermann Conring sind Menschen, die sich in mehr als einer Wissenschaft durch herausragende Kenntnisse auszeichnen. Die Vielwisser, Universalgenies oder auch Universalgelehrte genießen hohes Ansehen in der Gesellschaft. So ist es auch nicht überraschend, dass die Inschrift auf Hermann Conrings (geb. 9. November 1606 in Norden – gest. 12. Dezember 1681 in Helmstedt) Grabstein mit folgenden Satz schließt: “Hermann Conring, das Wunder des Jahrhunderts.”

Hermann Conring zeichnet sich bis heute durch seine Leistungen in der Rechtswissenschaft, Philosophie und Medizin aus. So gilt er als Begründer der deutschen Rechtswissenschaft. In seinem Werk “De origine iuris Germanici” (Vom Ursprung des deutschen Rechts (1643)) widerlegt er einen fiktiven Gesetzgebungsakt, der römisches Recht als Reichsrecht postulierte. Diese Wende ist gleichzeitig der Startpunkt für die deutsche Rechtswissenschaft.

Eng verknüpft mit diesen Überlegungen ist seine politische Philosophie. In dieser deutet er eine Trennung von Theologie und Staat an. Revolutionär sind seine Ausführungen zur Verknüpfung von Psychologie und Geschichte jedes einzelnen Volkes. Da diese beiden Komponenten sich immer unterscheiden, muss auch die Regierung entsprechend abgestimmt sein. Es gibt also keine universal funktionierende Staatsform. Diese Annahme führt in der Folgezeit zu einer Beschäftigung mit dem Naturzustand des Menschen. Populär schlägt sich dieser Gedanke in den Werken von Thomas Hobbes und John Locke nieder.

Hermann Conring war zeitlebens auch in der Medizin tätig. Er widmete sich hier besonders dem menschlichen Blutkreislauf. Dabei initiierte er eine Abkehr von dem Irrglauben, dass die Leber ein zentrales Organ für das Blut sei. Conring wies als einer der ersten auf die Bedeutung der richtigen Zusammensetzung von Nahrung hin. Er hatte dementsprechend einen herausragenden Ruf als Mediziner. Dies zeigt sich auch daran, dass er Leibarzt der schwedischen Königin Christina (1626-1689) wurde.

An der Universität Helmstedt unterrichtete er Naturphilosophie, Medizin und Politik. Er verkehrte in prominenten Kreisen. So stand er zeitweise dem französischen König Ludwig XIV. (1638-1715) als Berater zur Seite.

Hermann Conring ist einer der bedeutendsten Gelehrten der Aufklärung und gehörte zu den letzten Universalgelehrten. Im Gegensatz zu anderen Vertretern dieser Epoche ist Conring allerdings heutzutage weniger präsent, obwohl er um die 250 Schriften verfasste.

Kurioserweise fand er in der Botanik seinen festen Platz. Der orientalische Ackerkohl wurde ihm als Conringia orientalis gewidmet.


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