Hermann Lübbe


Der deutsche Philosoph Hermann Lübbe wurde am 31. Dezember 1926 in Aurich geboren und war unter anderem an verschiedenen Universitäten Professor für Philosophie. Weiterhin agierte er als Präsident der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie und trug immer wieder zu aktuellen politischen Auseinandersetzungen bei. Lübbe absolvierte von 1947 bis 1951 das Studium der Philosophie, der Soziologie und der Theologie in verschiedenen Städten und besuchte dabei auch Vorlesungen von Joachim Ritter, weshalb er zu den Denkern der Ritter-Schule zählt.

Nach seiner Promotion wurde Lübbe Assistent von Gerhard Krüger und gleichzeitig Universitätsassistent in Köln und Erlangen. 1956 erfolgte seine Habilitation und im Anschluss war Hermann Lübbe als Professor in Münster, Hamburg, Köln und Erlangen tätig. Ab 1966 arbeitete er im Kultusministerium von Nordrhein-Westfalen und wechselte drei Jahre später als Staatssekretär zum Ministerpräsidenten. Später hielt Lübbe Vorlesungen an der Universität Zürich, bis er 2004 schließlich den Posten des „Senior Fellow“ in Essen übernahm. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen und Preisen erhielt er 1996 sogar das Große Bundesverdienstkreuz und wurde in unzählige wissenschaftliche Gesellschaften aufgenommen.

Lübbes Werke weisen eine große thematische Spannweite auf und besitzen stets einen großen aktuellen und praxisrelevanten Bezug. So versuchte Hermann Lübbe immer, seine philosophischen Überlegungen in einen zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen, wobei er meist einen polemisch-engagierten Duktus verwendete. In seinen frühen Jahren widmete er sich häufig ideen- und begriffsgeschichtlichen Themen, während er gleichzeitig Bezug zur politischen Philosophie nahm. Dabei kristallisierte sich sein liberaler Standpunkt im Sinne der Aufklärung heraus, von welchem aus er totalitäre Theorien radikal ablehnt. Lübbe weist im Gegensatz dazu dem common sense eine wichtige Bedeutung zu und unterstützt das Konzept der Zivilregion.

In seinem weiteren Schaffen setzte sich Hermann Lübbe verstärkt mit dem Geschichtsbegriff und dem Interesse an Geschichte auseinander, wobei er scharfe Kritik am Marxismus und technokratischen Ansätzen übte. Lübbe forderte stets eine Rehabilitierung des Historismus, da Geschichte seiner Meinung nach weder vorausgesagt, noch in allgemeine Schemen gepresst werden kann. Mittlerweile unterliegt die Zivilisation nach seiner Auffassung einer immer rascher voranschreitenden Veränderung, während traditionelle Orientierungen mehr und mehr verschwinden. Diese Entwicklungen sollen nach Lübbe mit Hilfe eines “historischen Sinns” kompensiert und unterbunden werden.


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