Rudolf Eucken


Der gebürtige Ostfriese Rudolf Christoph Eucken (1846-1926) war ein mit über 1000 Veröffentlichungen überaus produktiver und in seiner Zeit viel gelesener Verfasser philosophischer Bücher und Aufsätze. 1908 wurde Eucken nach Theodor Mommsen als zweiter Deutscher mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Heute ist Rudolf Eucken weitgehend aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden und gilt als einer der „vergessenen Nobelpreisträger“.

Eucken, Sohn eines früh verstorbenen, aus alteingesessener ostfriesischer Familie stammenden Postmeisters, wurde am 5.1.1846 in Aurich geboren. Er besuchte in seiner Geburtsstadt das angesehene alte Gymnasium Ulricianum. Von 1863 bis 1866 studierte er Philosophie, Altphilologie und Alte Geschichte in Göttingen. Dort war er aktiv in der Verbindung „Corps Frisia “, einem 1811 gegründeten Bund in Göttingen studierender Ostfriesen. 1866 promovierte er und arbeitete im Anschluss zunächst als Gymnasiallehrer.

Dann erreichte Eucken von der Universität Basel der Ruf als ordentlicher Professor für Pädagogik und Philosophie. 1874 wechselte er als Professor nach Jena, das ihm die wissenschaftliche Heimat wurde, die er trotz weiterer Angebote von anderen Universitäten bis zu seiner Emeritierung nie mehr auf Dauer verlassen würde. In seiner Jenaer Zeit heiratete er Irene Passow (1863-1841). Das Ehepaar hatte drei Kinder, von denen Arnold Eucken (1884-1950) als Chemiker und Walter Eucken (1891-1950) als Volkswirtschaftler bekannt geworden sind.

Rudolf Eucken ist als Begründer des Neu-Idealismus, der intuitive Lehre und praktisches Tun zu verbinden suchte, in die deutsche Philosophie-Geschichte eingegangen und hat besonders mit seinen religionsphilosophischen Schriften wie der 1907 erschienenen Schrift „Grundlinien einer neuen Lebensanschauung“ sowie den Werken “Der Sinn und Wert des Lebens” (1908) und “Mensch und Welt” (1918) in der Fachwelt Aufmerksamkeit erregt. Vor allem in Skandinavien war er um die Jahrhundertwende bei den gebildeten Schichten sehr populär. Möglicherweise hat diese Popularität in Nordeuropa dazu beigetragen, dass das Nobelpreiskomitee der schwedischen Akademie der Wissenschaften 1908 Eucken als würdig für den Literaturnobelpreis befand, nachdem man sich weder auf Selma Lagerlöf noch auf Algernon Charles hatte einigen können. Ob man deshalb Eucken als Verlegenheitslösung bezeichnen kann, mag dahingestellt bleiben. In Deutschland jedenfalls wurde die Verleihung des Preises allgemein recht verhalten aufgenommen.

Auf dem Friedhof in Aurich erinnert ein Gedenkstein an den großen Sohn der Stadt.


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