“Forschung vor Anker” im Norderneyer Hafen


Sie untersuchen Schadstoffe im Meer, erfassen Bodenformen und Plankton oder setzen Messgeräte in Flussmündungen aus: Die Forschungsschiffe „Burchana” des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und „Ludwig Prandtl” des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) sind ganzjährig in der Nordsee und den tidebeeinflussten Bereichen großer Flüsse unterwegs.

Dabei sammeln sie wertvolle Daten und ermöglichen aufwändige Forschungen zum Zustand der Nordsee. Im Rahmen des „Open Ship-Days 2018″ öffnen die beiden Forschungsschiffe am kommenden Montag (09. Juli) im Norderneyer Hafen ihre Türen.

Einmal neben dem Kapitän auf der Brücke stehen, einen Blick in ein schwimmendes Labor werfen und den Wissenschaftlern beim Umgang mit ihren zahlreichen Spezialgerätschaften über die Schulter schauen: Im Rahmen des „Open Ship-Days” im Norderneyer Hafen kann jedermann – ob groß oder klein – ab 13.00 Uhr an Bord der beiden außergewöhnlichen Schiffe „anheuern”. „Wir wollen den Menschen und Verantwortlichen zeigen, dass wir uns den Herausforderungen der Küsten stellen und dass wir als Wissenschaftler ansprechbar sind. Dabei möchten wir die Faszination für unsere Forschung wecken und hoffen natürlich, dass die Besucher auch mitnehmen, wie wichtig unsere Arbeit ist”, betont Prof. Hans von Storch. Der mittlerweile pensionierte HZG-Institutsleiter hatte die erfolgreiche „Forschung vor Anker”-Tour der „Ludwig Prandtl” 2009 ins Leben gerufen. Ein Konzept, dass bei der Norderneyer Forschungsstelle Küste schnell Unterstützung fand.

Im Rahmen zweier Abendvorträge im Norderneyer Conversationshaus informieren Dr. Andreas Wurpts, Leiter der Forschungsstelle Küste des NLWKN und Dr. Ralf Weiße vom Institut für Küstenforschung des HZG ab 19 Uhr zudem über die Physik der Meeereswellen und den Küstenschutz als Aufgabe zwischen Forschung und Landesverwaltung. „Hier freuen wir uns besonders auf die anschließende Diskussions- und Fragerunde mit interessierten Besucherinnen und Besuchern”, so Wurpts. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Die „Burchana” (Baujahr 1998) wird vom NLWKN für Forschungs- und Monitoringzwecke eingesetzt. Ihr Fahrtgebiet umfasst die niedersächsischen Übergangs- und Küstengewässer sowie das Wattengebiet bis zur 12-Seemeilen-Hoheitsgrenze. Das Schiff ist ausgestattet mit einem großen Arbeitsdeck mit Aufstellmöglichkeit für einen Laborcontainer, Arbeitskran und Schlafkojen für die dreiköpfige Besatzung und Wissenschaftler. Hinzu kommen spezielle Ausrüstungen wie die Heckfangeinrichtung und die fest eingebauten Haltevorrichtungen für Fächer- und Sedimentecholot. Außerdem ist eine FerryBox zur Erfassung von Gewässergüteparamatern installiert. Der geringe Tiefgang der Burchana ermöglicht es dabei, die im flachen Wattbereich liegenden Stationen zur Wasserstands-, Seegangs- und Strömungsmessung anzufahren.

Auch die „Ludwig Prandtl” ist durch ihren geringen Tiefgang von 1,70 Meter besonders für Forschungsarbeiten in tidebeeinflussten Bereichen der großen norddeutschen Flüsse und des Wattenmeeres geeignet. Die Haupteinsatzgebiete sind die Nord- und Ostsee, Flussmündungsgebiete und Boddengewässer. Das Schiff wurde 1982/83 gebaut und nach dem deutschen Physiker Ludwig Prandtl (1875-1953) benannt. An Bord befinden sich ein Labor, ein Faltkran, eine Einleiterwinde und eine Schleppvorrichtung für Messgeräte. Sie fährt nach dem Norderneyer Hafen im Rahmen der „Forschung vor Anker”-Tour noch die Häfen von Helgoland (11.7.) und Cuxhaven (13.7.) an.