Tagung beleuchtete Ursachen der Glücksspielsucht


Spielkasinos, Sportwetten oder Online-Poker wirken auf den ersten Blick als harmloser Zeitvertreib, doch das Glück im Spiel kann schnell zur Sucht werden. Anerkannte Experten aus ganz Deutschland präsentierten am Donnerstag auf der Fachtagung Glücksspielsucht an der Hochschule Emden/Leer die Entstehungsweisen, Diagnostik und Behandlung der Suchtkrankheit sowie Möglichkeiten zur Prävention. Mehr als 100 Interessierte nahmen an der Fachtagung Glücksspielsucht im Coram der Hochschule teil, die die Hochschule zusammen mit der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen und der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention in Leer (DROBS) organisiert hatte.

Das Angebot richtete sich vor allem an Mitarbeiter, die direkt oder indirekt mit Suchtkranken arbeiten, wie z.B. in der Sucht- oder der Jugendhilfe, sowie an Vertreter von Städten und Gemeinden. Hintergrund für die Veranstaltung war ein Projekt des Landes Niedersachsen, das die Prävention und Beratung zum Thema Glücksspielsucht seit 2008 fördert. Das Ministerium stellte Mittel für Glücksspielsuchtpräventionsfachkräfte an 24 Standorten in Niedersachsen bereit, um das Präventions- und Beratungsangebot flächendeckend auf- bzw. auszubauen. Das Projekt läuft Ende des Jahres aus. Landeskoordinatorin Martina Kuhnt stellte die Zwischenergebnisse und Erkenntnisse im Rahmen des Projekts vor.

Noch konkreter wurde das pathologische Glücksspielen, wie die Glücksspielsucht fachlich korrekt genannt wird, am Nachmittag in Kleingruppen betrachtet: Neben der Entstehung und Behandlung der Suchtkrankheit widmeten sich die Seminare beispielsweise den Gründen, warum ein Großteil der Suchtkranken männlich sind, oder dem Zusammenhang zwischen zwanghaftem Spielen und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Ein weiteres Seminar beschäftigte sich mit der „Sturmflut Spielhallen“. Diplom-Sozialarbeiter Jürgen Trümper wies darauf hin, dass sich die Zahl der Spielhallengeräte seit 2006 fast verdoppelt habe. „Beim Thema Alkohol kann fast jeder auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, da der Alkoholgenuss eng mit unserer Kultur verwoben ist. Doch was macht den Reiz von Automaten in solchen Spielhöllen aus?“, fragte sich der Geschäftsführer des Arbeitskreises gegen Spielsucht e.V.. Wichtige Aspekte, die zur Attraktivität der Spielautomaten beitragen können, seien z.B. die äußerst kurze Spieldauer von 2-3 Sekunden, die Einfachheit der Glücksspiele oder auch die Automatisierung von Spielen, so dass ein Spieler gleichzeitig mehrere Automaten bedienen kann. Darüber hinaus baue die Tendenz zu hellen, einladend wirkenden „Entertainment-Centern“ statt kleiner, dunkler Spielhöllen mögliche Berührungsängste besonders bei Frauen ab. Deshalb sei zu befürchten, dass sich in Zukunft mehr Frauen am Glücksspiel beteiligen werden.

„Es lebe das Entertainment-Center!“ war dann auch das zynische Resümee des Referenten. Die Veranstalter wie auch die Teilnehmer zeigten sich äußerst zufrieden mit der Resonanz, dem gegenseitigen Austausch und der effektiven Zusammenarbeit bei der Fachtagung.


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