Umweltauswirkungen der Krabbenfischerei werden untersucht


Rund 190 Krabbenfischerei-Betriebe sind an der gesamten deutschen Nordseeküste tätig. Bei ihren Fangfahrten durch das schleswig-holsteinische, niedersächsische und hamburgische Wattenmeer setzen sie Grundschleppnetze, sogenannte Baumkurren, die durch Rollen und Kufen stetigen Kontakt zum Meeresboden haben, ein.

Um die Auswirkungen dieser Baumkurren auf den Meeresboden und seine Lebensgemeinschaften zu untersuchen, starten Schleswig-Holstein und Niedersachsen gemeinsam das vierjährige Forschungsprojekt „CRANIMPACT – Auswirkungen der Garnelenfischerei auf Habitate und Lebensgemeinschaften im Küstenmeer der Norddeutschen Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen“.

Durchgeführt wird das Projekt vom Thünen-Institut für Seefischerei in Bremerhaven in Kooperation mit dem Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft der Universität Hamburg und dem National Institute of Aquatic Resources der Technical University of Denmark. Auch die Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer unterstützt das Projekt. Einzelne Krabbenfischer werden beispielsweise Testfahrten im Rahmen des Projektes durchführen.

„Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung des umfangreichen Forschungskonzeptes ist viel Zeit und fachliches Knowhow von allen Beteiligten eingebracht worden. Ich freue mich, dass das Projekt nun anläuft und dass es uns gelungen ist, eine Kooperation zwischen Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu realisieren“, so die niedersächsische Fischereiministerin Barbara Otte-Kinast. „Bereits in dieser Woche starten die ersten Forschungsfahrten und Probenahmen im Wattenmeer.“

Im Rahmen des Projektes werden das Thünen-Institut und seine Partner die Strukturen des Meeresbodens und die Situation der dortigen Lebensgemeinschaften in Gebieten mit unterschiedlicher fischereilicher Intensität untersuchen. Teile des dänischen Wattenmeeres, in dem die Krabbenfischerei seit mehreren Jahrzehnten verboten ist, dienen als Referenzgebiet. Hier werden erstmalig Bodenstrukturen und Lebensgemeinschaften untersucht. „Dass es gelungen ist, auch unsere dänischen Nachbarn für das Projekt zu gewinnen, ist besonders erfreulich“, so Schleswig-Holsteins Fischerei- und Umweltminister Jan Philipp Albrecht anlässlich des Projektstarts. „Aus dem Vergleich zwischen den Gebieten mit unterschiedlicher fischereilicher Nutzungsintensität sowie mit den nicht fischereilich bewirtschafteten dänischen Gewässern versprechen wir uns Grundlagen für die ergebnisoffene Diskussion zur Ausgestaltung der Krabbenfischerei.“

Die Projektkosten in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro werden zu 75 Prozent aus Mitteln des Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) bereitgestellt. Die übrigen 25 Prozent tragen die beiden Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen zu gleichen Teilen aus Landesmitteln. Der schleswig-holsteinische Anteil in Höhe von rund 175.000 Euro stammt aus Mitteln des Sedimentmanagements, die entsprechend der Zweckbindung der ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Entwicklung der Krabbenfischerei im Nationalpark Wattenmeer dienen sollen. Während der Projektlaufzeit werden Vertreter von Fischerei, Naturschutz und Verwaltung regelmäßig über den Stand der Durchführung informiert. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im Herbst 2022 vorliegen.